Wie werde ich die Moderationsrolle los?
Was ich häufig bei Führungskräften erlebe, ist, dass sie in Meetings automatisch die Moderationsrolle übernehmen. Oft aus Verantwortungsgefühl oder um die Kontrolle über das Ergebnis nicht zu verlieren. Dadurch entsteht für ein zentrales, wiederholt stressiges Spannungsfeld im Arbeitsalltag: Auf der einen Seite soll das Meeting erfolgreich und effektiv sein. Auf der anderen Seite ist die Perspektive der Führungskraft meist sehr relevant – und nicht selten hängt am Ende auch die Entscheidung an ihr. Das bedeutet, die Führungskraft soll gleichzeitig neutrale Prozesshüter:in, sowie Entscheidungsträgerin sein und auch sich inhaltlich beteiligen. Diesem Anspruch kann eigentlich niemand gerecht werden, somit leiden die Ergebnisse des Meetings darunter.
Auf der anderen Seite ist es für Teammitglieder in dieser Konstellation schwierig, die Führungskraft wirklich als neutral und fair wahrzunehmen. Selbst wenn sie es gut meint, wird ihr häufig vorgeworfen, dass sie ihre eigene Agenda voranbringt. Meinungen werden zurückgehalten, Beiträge werden vorsichtiger formuliert und letztendlich bleibt unklar, ob Entscheidungen wirklich von allen getragen werden.
Kurz gesagt: Das Meeting wird weniger effektiv und stressiger für alle Beteiligten.
Deshalb ist eine ganz klare Empfehlung aus meiner Erfahrung: 👉 Verbinde die Moderationsrolle nicht mit deiner Rolle als Führungskraft.
Ich weiß, das klingt wie eine unbequeme Wahrheit, aber viele Teams, die ich im Aufbau von Moderationskompetenz begleitet habe, sind im Laufe der Zeit schneller, effizienter und strategischer im Durchführen von Meetings geworden.
Vier Schritte, um deine Moderationsrolle als Führungskraft loszuwerden:
1. Such dir Moderationskompetenz im Team:
Schau nach jemandem in deinem Team, den du für kompetent in der Moderation hältst. Wenn es diese Person (noch) nicht gibt: Such dir jemanden aus und frage aktiv, ob Interesse besteht, diese Kompetenz aufzubauen. Mache transparent, dass du die Moderation mehr ins Team geben willst und dass diese Kompetenz bei euch aufgebaut werden soll. Das signalisiert Vertrauen und Interesse an Entwicklung.
2. Beginne mit „ungefährlichen“ Meetings:
Identifiziere Meetingthemen, die für dich wichtig, aber nicht dringend sind und bei denen du gut aushalten kannst, keine Kontrolle über den Prozess zu haben. Hier kannst du die Moderation bewusst abgeben, ohne innerlich unter Druck zu geraten. Bereite die Meetings mit der Person, die die Moderation übernimmt, vor.
3. Sei selbst ein:e richtig gute:r Teilnehmer:in
Ermutige andere, die Moderation zu übernehmen – und dann tritt bewusst aus dieser Rolle heraus. Sei präsent, hör zu, halte dich an Redezeiten. Bringe dich bewusst ausschließlich aus deiner Rolle als Führungskraft ein. Mache ein kurzes Debriefing mit der Moderation, um voneinander zu lernen, was gut gelaufen ist und wo Anpassungsbedarf ist.
4. Trenne klar: Moderation und Meeting-Owner
Führe ganz konkret die Rolle des Meeting-Owners ein. Das bist im Regelfall du als Führungskraft – es können aber auch andere Menschen sein.
Diese Unterscheidung hilft Teams enorm.
Moderation: neutral, verantwortlich für Prozess, Austausch zwischen den Teilnehmer:innen anleiten , ggf. Dokumentation
Meeting-Owner: klärt Zweck, definiert Teilnehmende, nimmt Entscheidungen mit und trägt das Ergebnis
So wird klar: Die Moderation ist Zuliefer:in für einen guten Prozess – nicht verantwortlich für das Ergebnis.
Damit stärkst du nicht nur das Verantwortungsbewusstsein in deinem Team, sondern du entlastest dich in der Führungsrolle und kannst dich auf das konzentrieren, was du brauchst, um dein Team gut zu führen.
